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-In Gedenken an Edgar Dören-

Die BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft Nürburgring ist in den letzten 5 Jahren immer professioneller und schnelllebiger geworden. Teams und Fahrer kommen und gehen. In dieser wachsenden Professionalität können Persönlichkeiten in Vergessenheit geraten. Dieses Jahr jährt sich der Todestag von Edgar Dören zum 5. Mal.
-In Gedenken an Edgar Dören-

Zu Beginn der Saison 2004 traf die Langstreckenmeisterschaft ein tiefer Schock. Edgar Dören starb am 1.4.2004 nach kurzer Krankheit. Er verlor den Kampf gegen den Krebs. Die Nordschleifen Gemeinde trauerte. 5 Jahre sind seitdem vergangen und die Persönlichkeit Edgar Dören fehlt nach wie vor im Fahrerlager und auf der Strecke. Eine Lücke die nicht zu schließen sein wird.  

 

Edgar Dören war einzigartig. Sein Gruß, das Victory Zeichen an die Fans, war sein Markenzeichen und seine Brücke die Gemeinschaft zu leben. Nebenher fuhr er dann auch noch erfolgreich mit seinem Porsche die Rennen auf der Nordschleife - das war Edgar. Im Fahrerlager immer zu einem frotzelnden Spruch aufgelegt, kleine Sticheleien, reichlich Späße, stets nett und freundlich zu seinen Fans. Wer Edgar Dören so erlebte der stellte schnell fest, dass er sich nur hier wohl fühlte. Der Motorsport war sein Leben.

 

Ich habe den Versuch gestartet seine Karriere genau zu rekonstruieren. Lieber Leser: Ich habe kapituliert! Ich belasse es bei einem groben Abriss. Edgar Dören fuhr so viele Rennen sowohl national, als auch international, dass es kaum möglich ist, den Überblick zu bekommen. Der Name Edgar Dören taucht sogar in den Ergebnislisten der IMSA Serie auf, mit einem Audi. Ein Marke prägte jedoch seine Karriere-Porsche. Nicht umsonst wurde er auch „Mister Porsche“ genannt.

 

Edgar Dörens Karriere begann Ende der 60iger Jahre, wie bei den meisten Rennfahrern bei Slalom Rennen. Jeder fängt ja mal klein an. 1972 wechselte er in die ONS Rundstreckentrophy, wo er 1975 auf einen Porsche 914/6 den Meistertitel holte. Der Wechsel in die DRM ließ nicht lange auf sich warten. Irgendwie typisch ist die Geschichte wie er Mitte der 70er Jahren den Sponsor „Weralit“, ein Werkzeughersteller aus Wuppertal, gewonnen haben soll. Laut einem Bericht der Zeitschrift sport auto soll bei einem Rennen in Hockenheim der Schalthebel im Porsche abgebrochen sein. Beim Boxenstopp wurde eilig ein Schraubenzieher in die Schaltkulisse gesteckt und Edgar Dören konnte das Rennen beenden. In Wuppertal bemerkte an der Tankstelle offenbar ein Mitarbeiter der Firma Weralit das zweckentfremdete Werkzeug und schon war die Idee des Sponsorings geboren. Mit dem Werkzeughersteller „Weralit“ als Sponsor bestritt er auf dem Porsche 934 und dem Porsche 935 K3 viele Rennen bis Anfang der 80er Jahre.

 

1982 griff Edgar Dören nach dem Titel in der Langstreckenweltmeisterschaft. Leider war das Glück in Brands Hatch nicht auf ihrer Seite. Im letzten Rennen verlor er die WM. Die guten Kontakte zu Preston Henn, der 1984 zu den ersten Eignern eines Porsche 962 gehörte, ermöglichte Edgar Dören seinen einzigen Einsatz in einem Gr. C Fahrzeug in Le Mans; Edgar: “Der 962 war das geilste Auto was ich je gefahren bin.“ Die Rückbesinnung auf den nationalen Motorsport und die Nordschleife folgte Ende der 80er Jahre. Der Sieg beim 24h Rennen 1988 war ein Ohrfeige für die Werksteams von Ford und BMW. Dieser geschichtsträchtige Erfolg, der durch konstante Leistungen der Fahrer Dören / Holup / Faubel auf dem Porsche RSR erzielt wurde, passt nur zu gut zu der schlitzohrigen Person Edgar Dören und war der Höhepunkt seiner Karriere. Jener Siegerwagen existiert immer noch und ist nach wie vor im Besitz von Gerhard Holup.

 

1993 hätte sich die Geschichte fast wiederholt, als Edgar Dören ein zweites Mal nach dem Sieg beim 24h Rennen auf der Nürburgring Nordschleife griff. Zusammen mit Michael Irmgartz und Wolfgang Kaufmann reichte es nur zum 2. Gesamtrang im Porsche 964. Es sei noch angemerkt, dass Edgar Dören im Jahr zuvor das 24h Rennen von Zolder zusammen mit Michael Beilke im wunderschönen HILDON-Porsche RSR gewann.

 

Legendär ist auch die Schlussphase des 6h-Rennens 1996. Mit 0,25 Rückstand auf Volker Strycek ging Edgar Dören als Zweitplazierter in die letzte Runde. Ein beinhartes Duell entwickelte sich in der letzten Runde zwischen beiden. Auf der Döttinger Höhe ging Volker Strycek jedoch langsam das Benzin aus, Edgar Dören zog winkend an ihm vorbei und gewann auf den letzten Kilometern das 6h-Rennen mit 5 Sekunden Vorsprung.

 

Nur ein einziges Mal bekam er Geld für das Fahren, als ihn Ford 1989 für das 24h Rennen auf dem Ford Sierra Cosworth engagierte. Edgar Dören war stets Privatfahrer, in der Regel immer auf Porsche. Vermutlich hat nur einer noch mehr Rennen auf der Zuffenhausener Marke bestritten – Bob Wollek. Kurios, dass beide einst zusammen ein Rennen auf einem Ferrari  bestritten. Ausflüge zu anderen Fabrikaten, wie der RED Chevrolet Corvette oder dem Panoz GTS, waren eher ernüchternd.

 

1997 beginnt die langjährige Partnerschaft mit Co-Pilot Karl Christian Lück auf dem noch wohl bekannten Tuffi Porsche. Der letzte Gesamtsieg von Edgar Dören in der Langstreckenmeisterschaft geht auf das Jahr 2002 zurück, der 43. ADAC-ACAS-Bilstein-Cup.

 

Im kommenden Jahr zog die technische Entwicklung so stark an, dass es zunehmend schwieriger wurde mit der neuen Konkurrenz mitzuhalten. Der Umstieg auf Porsche 996 erfolgte im Jahr 2002 und war eher holprig. Edgar Dören lies nicht locker und schaffte es, den aus der BELCAR Serie übernommenen Porsche, an die Nordschleife anzupassen. 2003 setzte Jürgen Alzen mit dem Turbo Porsche die Messlatte noch einmal höher und vergrößerte abermals die Kluft. Die Herausforderung, sich gegen die hoch gezüchteten Porsche von Olaf Manthey, Land und Alzen zu erwehren, konnte Edgar Dören nicht mehr aufnehmen. Ehe die Langstreckenmeisterschaft sich 2004 versah, war sie um eine geliebte Persönlichkeit beraubt. Beim ersten Lauf zollten viele Kollegen der Nordschleifen Ikone mit Trauerflor Respekt und Karl-Christian Lück drehte eine Ehrenrunde in Gedenken an seinen verstorbenen Kollegen und den Rennfahrer der den Fans immer aus seinem Porsche grüßte.  

 

Tschüss Edgar! Viele denken noch an dich!

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Kollegen und Freunde über Edgar Dören 

Olaf Manthey – Teamchef:

„Ich brauche sicherlich nicht hervor zu heben welch netter, freundlicher und hilfsbereiter Mensch Edgar war. Dies hat jeder von uns in den vielen Jahren Motorsport gemeinsam mit Edgar erleben dürfen. Edgar hat wie viele von uns für den Motorsport gelebt und sicher auch viele Entbehrungen des normalen Lebens hingenommen, um im Motorsport erfolgreich sein zu können. Er hat durch seinen Kampfeswillen viele große Erfolge im internationalen GT - Sport feiern können. Bevor er sich dann der Langstreckenmeisterschaft auf der schönsten Rennstrecke der Welt verschrieben hat, und uns und seinen zahlreichen Fans viel Freude bereitet hat. Den Kampf gegen die Krankheit hat er jedoch nicht gewinnen können. Ich bin mir aber sicher, dass er nun mit unseren ebenfalls viel zu früh von uns gegangenen Freunden Uli Richter und Wolfgang Offermann die Milchstraße unsicher macht.“

 

Thomas Wallbert – Fan und Freund:

„Er war ein liebenswerter Chaot.“

 

Volker Strycek:

Schon als Schüler und Motorsportfan stand ich an der Strecke und habe Edgar Dören bewundert und auch beneidet, fuhr er doch schon damals Einsätze - auch auf Sportwagen von Porsche - in historischen Rennen wie den 24 Stunden von Daytona oder Le Mans.

Schlüsselerlebnisse sind für mich unsere Begegnungen als Fahrerkollegen - speziell auf der Nürburgring Nordschleife. Hier erinnere ich mich ganz besonders lebhaft an das 24h-Rennen von 1988, das er als Gesamtsieger beendete. Nach der Siegerehrung gingen wir gemeinsam ins Parc fermé, Edgar mit Nummernschildern unterm Arm, die er an den Siegerporsche montierte und danach mit diesem Auto auf öffentlichen Straßen nach Hause fuhr.

Ein sehr spektakuläres Rennen, das mir immer im Gedächtnis bleiben wird, war auch das 6h-Rennen von 1996. Wir fighteten um den Gesamtsieg. In Führung liegend ging mir in der letzten Runde auf der Döttinger Höhe, also weniger als 2 km vor der Zielflagge, das Benzin aus. Damit verloren wir den Gesamtsieg an Edgar und wurden nur Zweiter.

Auch seine sportlichen Gesten nach den Rennen sind sicherlich etwas, was Edgar Dören ausgezeichnet hat. Er war stets ein extrem fairer Gegner, immer zu Späßen aufgelegt, im Fahrerlager ein Freund, aber auf der Rennstrecke ein harter Brocken. Für die Langstreckenmeisterschaft am Nürburgring war dieses Urgestein ein Sympathieträger, nicht zuletzt wegen seines sozialen Engagements in vielen Bereichen.

Die Nachricht von seiner schweren Erkrankung und seinem jähen Tod hat uns alle sehr betroffen gemacht. Ein Langstreckenrennen ohne Edgar Dören war nicht denkbar. Und trotzdem mussten wir uns an diese Tatsache gewöhnen. Er fehlt uns noch immer. Ich denke das wird auch so bleiben.

 

Alex Busato (ehemaliger Fahrer bei Dören Motorsport)

Da wir beide aus Wuppertal kommen, haben wir uns oft sehen können und ich durfte sein freundliches Wesen und seinen aufrechten Charakter kennen und schätzen lernen. Oft haben wir uns gegenseitig geholfen - sei es auf und neben der Strecke, sowie auch anderswo- .

Bei den Mitfahrten in seinem Porsche wurde mir bewusst, wie souverän der Rennfahrer Edgar mit diesem, nicht einfach zu fahrenden Fahrzeug, vor allem im Regen war. Phänomental ! Unglaublich ! Dabei erzählte er noch kleine Anekdoten aus seinem Leben und gab Tipps wie: So musst Du das im Regen machen......und da musst Du lang fahren...".

Dass er bei jedem Tempo und jedem Wetter immer seine linke Hand aus dem Fenster hielt, fand bei seinen Fans und allen anderen Zuschauern an der Strecke große Anerkennung. Wenn er im Renn-Porsche über die Nordschleife "fliegen" konnte, war er der glücklichste Mensch - bin oft mit ihm "geflogen" !

Er wird mir unvergessen bleiben! Tschüß Edgar !   Tschüß mein Freund !

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Einen großen Dank geht an Thomas Wallbart, der viele Bilder und Dokumente aus seinem Archiv zur Verfügung gestellt hat und sie in letzter Minute vor dem Insolvenzverwalter bewahrte.

 

Fotos: Bernd Barth / Porsche Archiv / Bilstein

 

geschrieben von: Christian Reinsch | 12.04.2009, 00:08