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[Startseite » Reportagen » ring1.de Winterpause - Die Wolfgang Destree Homestory - Teil 3]
ring1.de Winterpause - Die Wolfgang Destree Homestory - Teil 3In Teil 3 erzählt Wolfgang Destree interessantes zu seinem Porsche, wie man sich als Privatfahrer organisiert und was dafür verantwortlich ist, warum er seit 15 Jahren Nordschleife fährt.
Wieso eigentlich Sexbomb Porsche? Für die Saison 2001 ließ sich Kersten Jodexnis einen Porsche 996 GT3 MR aufbauen. Die Nordschleifen-Version aus dem Hause Manthey gehörte damals neben der Zakspeed Dodge Viper GTS-R zum Maß aller Dinge, je nach Fahrerleistung. Der Schriftzug „Sexbomb“ war eine spontane Idee, wurde Kult und gab einem Fahrzeug einen Namen. Als es um die Beklebung des Wagens ging, wollte Jodexnis auf seinem Wagen RSR stehen haben. Wohlwissend, dass Porsche sich das Kürzel „RSR“ rechtlich gesichert hatte, gab Olaf Manthey zu Bedenken, es könne zu Problemen kommen. Was nun? Die Musik, die gerade in der Halle von Olaf Mantheys Team/Betrieb lief, gab den Anstoß. Durch das Radio trällerte gerade Tom Jones – Sexbomb, Sexbomb. You´re my sexbomb. „Dann schreiben wir eben „Sexbomb“ drauf. So entstand, laut Wolfgang Destree, der Name Sexbomb Porsche.
Porsche 996 oder Porsche 997 ? Es dürfte im ring1.de-Forum gewesen sein, wo die Frage aufkam, ob der Sexbomb Porsche auf einer 996- oder 997-Karosse basiert. Eigentlich ist das müßig zu diskutieren, denn zwischen beiden Modelle gibt es keine wesentlichen Unterschiede. Die Annahme, dass es ein 996 Porsche ist, wird wohl in den letzten Jahren vermutlich aus dem wechselnden Bodykit von „zim composites“ entstanden sein. Bis zum Ende des Jahres 2005 war der Sexbomb Porsche mit dem altbekannten Manthey 996 MR Bodykit unterwegs. In der Saison 2006 und 2007 hatte er ein „zim composites“ Bodykit, welches nicht eindeutig 997 und auch nicht eindeutig 996 war. Seit dem Beginn der Saison 2008 dreht der Sexbomb-Porsche seine Runden über die Nordschleife mit einem Bodykit, welches an die Optik des Porsche 997 RSR angelehnt ist. Bei einem Renn-Porsche 911 auf Grund seiner Optik auf das Modell zu schließen, hat sich in der Vergangenheit aber immer wieder als ganz dünnes Eis erwiesen. Die Lösung des Rätsels im Falle Sexbomb-Porsche lautet wie folgt. Es ist ein Porsche 997, der von einem Karosseriebauer aus Einzelteilen nach Vorgaben zusammengeschweißt wurde und durch zusätzliche Schweißnähte, nach den Vorgaben von Wolfgang Destree, verstärkt wurde. Der ehemalige Porsche 996 GT3 MR, der 2002 von Kersten Jodexnis übernommen wurde, ging mittlerweile in den Besitz des Teams Steam-Racing über. Der aktuelle Wagen wurde auf der Bank gerichtet und nach den Vorstellungen von Wolfgang Destree aufgebaut. Als Fahrgestellnummer hat er übrigens seinen Geburtstag eintragen lassen. Woran kann man aber jetzt in der Tat den Ursprung des Wagens erkennen? Insider wissen, wo man den wesentlichen Unterschied zwischen Porsche 996 und Porsche 997 finden kann. Ein Blick in die Radkästen lohnt sich. Bei einem Porsche 997 sind die Anschraubpunkte für die Vorderradaufhängung nach innen gelegt. Bei dem Vorgänger-Modell ist das nicht so. Ansonsten sind beim Vergleich der Rohkarosse keine markanten Unterschiede vorhanden, so Wolfgang Destree.
Hier findet man die Anschraubpunkte.
Zumindest rein äußerlich erscheint der heutige Sexbomb Porsche 997 fast wie ein aktueller RSR. Das mag die Erwartungen hervorbringen, dass ein Wolfgang Destree mit dem Wagen ähnliche Zeiten fahren sollte und könnte, wie der Manthey Porsche 997 GT3 RSR. In die Erwartungen muss aber auch die Technik unter der Haube des Porsches mit einbezogen werden. Gefahren wird mit einem 3,8l Motor. Allerdings erleuchtet schon bei ca. 8000 U/min. die Schaltlampe. Die Top-Teams drehen bis 9500+ U/Min. Da bekanntlich Drehzahl = Leistung ist, wird hauptsächlich gegen Cup-Porsche gekämpft. Dort, wo die Leistung des Motors aus dem Sexbomb Porsche aufhört, fängt, die des Motors aus dem Manthey Porsche RSR gerade erst an. Während Olaf Manthey ihm stolz erzählte, dass sein Motor 45 Stunden hält, entgegnete Wolfgang Destree, dass seiner erst nach 245 Stunden zur Revision muss. Das konnte Olaf Manthey kaum glauben, erzählte er mit breiter Brust bei der Unterhaltung. Dieser Vergleich relativiert sich jedoch auch wieder durch die gefahrenen Drehzahlen und die verbundenen Belastungen für das Triebwerk. Die Auspuffanlage ist auf dem Stand von 2002 und lässt mitunter auch nicht mehr Leistung hinaus.
Wenn Geld übrig ist, dann wird natürlich in den Wagen investiert. „Ich habe bisher noch keine 12 000€ gefunden, auf denen Auspuffanlage drauf steht. Wenn ich aber mal gesponsort werde, dann stecke ich das Geld auch in den Wagen“, so Wolfgang Destree. Bedauerlicherweise werden seine immensen fahrerischen Künste durch die geringen, aber ausgeschöpften finanziellen und technischen Möglichkeiten verwaschen. Fahrerisch fühlt er sich der Konkurrenz gewachsen und hat keine Bedenken das Material zu überfahren. Die einzige Angst, die einen Privatfahrer stets begleitet, ist die eines unverschuldeten Materialfehlers. Dann muss tief in die Tasche gegriffen werden. Wer die Zeiten von Wolfgang Destree kennt und sie zum vorhandenen Material relativieren kann, der wird unweigerlich zu dem Schluss kommen, dass diese Zeiten verdammt schnell sind. Seine schnellste Zeit aus der Saison war mit dem überspitzt gesagt „Basic Porsche 997“ eine 8.38 Min!!! Gewiss würde es ihn reizen auf einem aktuellen Top-Porsche mitzufahren und ich gebe zu dieser Gedanke ist äußerst reizvoll zu sehen, wo sich der Nordschleifen-Haudegen einordnen würde. Als Privatfahrer, mit begrenzten Mitteln wird jedoch bei Einsätzen auf anderen Autos eines gleich abgeklärt: „Wenn er platt ist, dann ist er platt. Nicht weil ich es will, sondern weil ich es mir einfach nicht leisten kann. Ich kläre das lieber im Vorfeld.“ Nichts desto trotz kommen hin und wieder noch Anfragen von Teams, die die fahrerischen Qualitäten sehr zu schätzen wissen und sagen: Wolfgang, du bist für uns wie eine absolute Bank. Fahr bitte bei uns! Für seine Leidenschaft Motorsport tut er alles und sein Bestreben ist es ihn noch solange wie möglich zu betreiben (solange es finanziell tragbar bist). Auch ein Wolfgang Destree geht jeden Morgen 10 km joggen, um fit zu bleiben. Auch das Rauchen hat er vor einigen Jahren sich dafür abgewöhnt. Die Nürburgring-Einsätze sind für ihn nach wie vor Urlaub. Aus diesem Grund ergeben sich für ihn bei der Auswahl vier wichtige Kriterien. 1. Der Fahrer sollte den Einsatz bezahlen 2. der Fahrer sollte einen Schaden bezahlen können. 3. Er sollte sympathisch und umgänglich sein. 4. Er sollte schnell sein.
Interessantes Dokument - Wolfgang Destree und Kersten Jodexnis mit Zigarette. Die Zeiten sind vorbei. Einen Fahrer zu finden, der all diese 4 Kriterien erfüllt, ist nach Wolfgang Destrees Meinung, nahezu unmöglich. Aber sein aktueller Stamm-Fahrer, Kersten Jodexnis, erfüllt die ersten 3 Kriterien und steigt auch mal aus und sagt ehrlich: „Schau mal bitte nach. Ich glaube, ich habe den Motor überdreht.“ Diese Eigenschaft weiß er sehr zu schätzen, denn nichts ist für einen Privatfahrer anstrengender, als sich darüber zu streiten, wer evtl. was kaputt gemacht hat und wer letztendlich was zahlt. Dass er nicht so schnell ist, nimmt er billigend hin. „Ich kann es nicht ändern“. In diesem Zusammenhang kam das Gespräch auch schnell auf das neue Reglement der Special-Klassen beim 24h-Rennen und bei der BFG-LM zu sprechen. Seiner Meinung nach würde das Problem, der großen Unterschiede im Rennen, auch im Wesentlichen dadurch eingeschränkt werden, wenn nicht die schnellste Zeit für das Qualifying herangezogen wird, sondern beide Zeiten der Fahrer unter der Bedingung eine 110-115% Marke der Bestzeit erreicht werden muss. Dadurch würden allzu langsame Herrenfahrer ausgeschlossen. „Dann müsste mein Fahrer sich auch noch verbessern und ich lerne genauso gerne noch dazu.“ Die Vorbereitung des Wagens übernimmt er selbst. Auch das Schrauben bereitet ihm Spaß, natürlich bleibt das Fahren der größere Spaß. Nach jedem Rennen werden Motor und Getriebe ausgebaut, alles wird kontrolliert und wieder eingebaut. Alles wird in der heimischen Werkstatt durchgeführt. Bestimmte Teile werden besonders gut kontrolliert und mitunter eher ausgetauscht als es sein muss, um Unfallschäden und einen teuren Einschlag in den Leitplanken zu verhindern und in der Tat hat man in den letzten Jahren den Sexbomb-Porsche 997 selten beschädigt an einer Leitplanke stehen sehen. An einem Querlenker demonstriert er, wie sich die Anforderungen der Nordschleife auf Komponenten auswirken.
Auf dem gezeigten Bild markieren die eingezeichneten weißen Linien die oberen Kanten des Querlenkers. Bei einem Neuen wären beiden Linien parallel. Das Bild zeigt wie der Querlenker sich durch starke Belastungen verzogen hat.
Bei Wolfgang Destree merkt man immer wieder, wie viel Spaß er immer noch am Motorsport hat. Der wird, wenn man ihn kennt, auch noch sicherlich sehr lange vorhanden sein. Seine pragmatische Herangehensweise wird durch den wichtigen Satz „Geld was ich nicht habe, kann ich auch nicht ausgeben“ bestimmt. Und gerade dieser Satz ist mitunter dafür verantwortlich, dass der Name Destree seit unzähligen Jahren in den Ergebnislisten oben auftaucht und auch sicherlich in Zukunft noch auftauchen wird. Die BFG-LM und das 24h-Rennen würden sich keinen Gefallen tun, wenn man, zugunsten von Werken, solche aufrichtigen, privaten Vollblut-Racer vergraulen würde. Ein Dank geht auch an die Fotografen Dirk Reiter, Martin Berrang, J. Weitz und G. Paumann.
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