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Ring1.de Winterpause - Die Wolfgang Destree Homestory - Teil 2

Wer viel fährt, erlebt auch viel. Heute drei Anekdoten und Geschichten aus der langen Karriere von Wolfgang Destree, z.B. über ein "Bratwurstrennen".
Ring1.de Winterpause - Die Wolfgang Destree Homestory - Teil 2

Die Kehrmaschine und das Bratwurstrennen

Es war der 9. und 10.11.1989 an dem viele Menschen neue Erfahrungen machen durften. Günter Schabowski öffnete, mangels Absprache in der SED Parteispitze die Innerdeutsche Grenze und tausende DDR-Bürger konnten ihre ersten Erfahrungen machen, wie es in einem Staat mit marktwirtschaftlichem Wirtschaftsystem aussieht. Währenddessen machte Wolfgang Destree seine ersten Erfahrungen auf einem Porsche Carrera RSR und mit profilosen Reifen. „Edgar, ich will mal einen RSR fahren.“ So ungefähr hat er Edgar Dören wohl damals seit einiger Zeit in den Ohren gelegen. Bei dem unwichtigen Rennen, daraus erklärt sich der Begriff Bratwurstrennen, Anfang November war es dann soweit. Altes Material durfte verfeuert werden.

Verabredet hatten sich beide Freitagmittag in Hockenheim, aber Edgar Dören kam und kam nicht. Bis er endlich gegen 19 Uhr kam, hatte Wolfgang Destree etliche Male überall rumtelefoniert, damals natürlich noch von einer Telefonzelle – nix mit Handy. Am Abend war Hockenheim schon zu. Dank der guten Beziehungen von Wolfgang Destree kam Edgar Dören doch noch rein. Ohne ein paar Testrunden wolle er aber am Samstag nicht fahren war seine Bedingung. In der Abenddämmerung konnte er dann doch noch ein paar Runden drehen. Die besten gebrauchten Reifen wurde schnell auf den Wagen gezogen und ab gings. Offenbar drang dies nicht bis zu den Streckenbetreibern vor. Das hatte auch zur Folge, dass Wolfgang Destree zu später Stunde in der Querspange die Kehrmaschine entgegen kam. Zu Bruch ging dabei nichts. Am Samstag stand er als RSR-Neuling direkt auf der ersten Position in seiner Klasse, aber absolut ohne Erfahrung mit profillosen Reifen. Nach dem fliegenden Start drehte er sich dann prompt in der ersten Runde, da die Reifen noch nicht die richtige Temperatur hatten. Als Letzter ging er wieder ins Feld und rollte das Feld von hinten auf. Mit den Slicks freundete er sich dann schnell an und am Ende des Rennens wurde er doch noch Gesamtzweiter.

Von den Fahrkünsten war Edgar Dören nach diesem Wochenende hell auf begeistert „Mensch Wolfgang, du musst mit mir fahren! Wir beide auf der Nordschleife. Unschlagbar, Unschlagbar“. Gescheitert ist diese Fahrerpaarung dann leider, wie so oft im Motorsport, am entscheidenden Faktor: Geld. Beide waren/sind in der Tat unschlagbar schnell, aber sie hätte einen Gönner gebraucht, der es ihnen bezahlt hätte. Rückblickend ist es jammerschade, dass die Fahrerkombination Dören/Destree mit einem schnellen Porsche nie auf der Nordschleife unterwegs war. Ich denke, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster raus, wenn ich sage: Beide hätten eine atemberaubende Show gezeigt.

 

 

Start zum "Bratwurstrennen 1989" - im roten Porsche 911 RSR Wolfgang Destree

 

 

Dreher in der erstem Kurve.

 

Wie Wolfgang Destree seinen treuesten Fahrer kennen gelernt hat.

Seit langer Zeit teilen Wolfgang Destree und Kersten Jodexnis sich das Cockpit. Anfang der 90er Jahre fuhr Wolfgang Destree in der RS Trophy.

Kersten Jodexnis hatte sich auch zu dieser Zeit einen Porsche 964 RS zugelegt und suchte noch einen fähigen, schnellen Fahrer für Clubsport Rennen. Auf dem Österreichring kam ein anderer Nordschleifen- und Porsche Haudegen auf Wolfgang Destree zu. Das war Edgar Dören der meinte: „Wolfgang, schau mal da ist so´n Langer. Der sucht noch einen Fahrer. Ich bin schon verplant. Da wäre was für dich.“ Mit dem „Langen“ ist natürlich der groß gewachsene Kersten Jodexnis gemeint, der kleine Hinweis war entscheidend für ein lange währendes Team.

"... und so hab ich den Kersten kennengelernt", Wolfgang Destree.

Start mit „Einstweiliger Verfügung“

1988 Clubsport am Nürburgring. Wolfgang Destree führte in der Meisterschaft und beabsichtigte einen Doppelstart mit seinem eigenen Porsche 911 RS in der Klasse 4 und auf einem Porsche RSR in der Klasse 5. Alle Nennungen gingen fristgerecht ein. Aus einem unerfindlichen Grund meinte der Veranstalter, der damalige Präsident vom Porsche Club Nürburgring, aber, dass Wolfgang Destree nicht starten dürfte. Angemerkt sei, dass der Veranstalter damals Rennleiter und Teilnehmer des Rennens war. Auf die nachdrückliche Bitte starten zu dürfen, da er in der Meisterschaft doch auch führe, entgegnete der damalige Club-Präsident: „Nein, ich lasse Sie nicht starten“, so Wolfgang Destree. Findig wie er war, rief Destree dann prompt seinen Bruder an, der Anwalt ist: „Seh zu, dass du `ne Einstweilige Verfügung kriegst.“ Ab noch Koblenz auf das Amtsgericht, die Verfügung geholt und zum Nürburgring. Bei der Abnahme meinte dann der Präsident des Porsche Clubs Nürburgring zu seinen Kollegen: „Hier und dieses Auto fährt nicht“. Daraufhin packte Wolfgang Destree das Schreiben aus und gab es ihm zu lesen, worauf ihm fast die „Backen eingefallen sind“, um den Wortlaut des Zornheimers zu übernehmen. In dieser „Einstweiligen Verfügung“ stand nicht nur drin, dass er doch am Rennen teilnehmen darf, sondern auch, dass der Veranstalter beim Rennen nicht starten darf.

Dass so etwas im Fahrerlager schnell die Runde macht, dürfte wohl klar sein. Der beste Teil ereignete sich dann aber erst am Renntag. Das Rennen gewann nämlich kein geringerer als derjenige, der sich am Vortag seinen Startplatz rechtlich erkämpft hatte – Wolfgang Destree. Und wer musste ihm den Siegerkranz umhängen? Das war natürlich der Präsident des Porsche Clubs Nürburg. Mit großer schelmischer Freude meinte Wolfgang Destree nur: „Weißt du was da los war? Weißt du was da los war? Der ganze Saal hat getobt!“

 

 

Clubsport in den 80er Jahren - Wer liegt in Führung? Natürlich Wolfgang Destree.

Teil 3 folgt am kommenden Sonntag. Wolfgang Destree erzählt über seinen aktuellen Rennwagen und wie es ist, sich gegen die starken Teams als Privatfahrer zu behaupten.

| 19.11.2008, 23:42