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Reportage Streckensicherung Teil 2

Organisation der Streckensicherung

Der Begriff des Sportwarts der Streckensicherung sollte nun allen die den ersten Teil dieser Serie gelesen haben geläufig sein.
Doch wirklich zufriedenstellende Antwort, auf Fragen zu diesem Thema, dürfte bisher noch keiner erhalten haben.
Der zweite Teil unsere Reihe befasst sich daher mit der Organisation der Streckensicherung.
Organisation der Streckensicherung

Der Sinn der Streckensicherung ist es größtmögliche Sicherheit für Zuschauer, Sportwarte und Rennfahrer jederzeit zu gewährleisten. Dies geht natürlich nur mit einer perfekten Zusammenarbeit aller Sicherheitsbereiche, was folglich eine ebenso perfekte Organisation erfordert.


Die Rennleitung

Das Geschehen auf der Rennstrecke wird bis ins letzte Detail von der Race-Control aus überwacht, in dieser sitzt die Rennleitung.

Die modernen Kurse sind komplett Videoüberwacht, von der Race-Control aus werden alle Einsatzkräfte koordiniert, man steht mit allen wichtigen Posten per Funk und Telephon in Verbindung, handelt im Notfall und wacht über die Einhaltung des sportlichen Reglements im Normalfall.

Letztentscheidender bei Rückfragen ist in der Race-Control der Rennleiter (RL), oberster Verantwortlicher für die gesamte Organisation und Ablauf der Veranstaltung.

Doch alleine die Überwachung des Interntationalen Sportgesetzes der Sportbehörde FIA, in Rücksprache mit den gesandten Sportkommissaren der FIA oder des DMSB, erfordert viel Arbeit, weswegen dem Rennleiter einen Leiter der Streckensicherung (LS) untergestellt ist.

An diesen sind die eine Rennveranstaltung tangierenden Sicherheitsbelangen delegiert, er ist also für die gesamte Sicherheit im unmittelbaren Bereich der Rennstrecke verantwortlich.

Der LS steht in direkter Verbindung mit den Leitern der Fahrzeuge der Bergungsstaffel (DMSB-Staffel), dem Leiter des Brandschutzes und dem des Sanitätsdienstes, um beispielsweise Bergungs- und Rettungsfahrzeuge bei gegebenen Anlass zum Einsatzort zu entsenden.

Um Rücksprache zu halten, oder Anweisungen an die Streckenposten und deren Sportwarte zu geben, kann der LS die Abschnittsleiter (AL) kontaktieren.

Womit wir nun auch den Bereich der Rennleitung verlassen hätten und uns draußen an der Strecke befänden.


Streckensicherung an der Rennstrecke

Üblicherweise sind Rennstrecken den Posten nach vom Start, bis zum Ziel durchnummeriert. Mehrere Streckenposten fasst man zu einem Abschnitt zusammen. Jeder Abschnitt wiederum besitzt einen Hauptposten, als Kommunikationsstützpunkt, und verfügt über einen Abschnittsleiter (AL).

Der AL organisiert nicht nur die Besetzung seines Abschnittes im Vorfeld der Veranstaltung, sondern ist auch während des Rennens im Abschnitt wichtigster Ansprechpartner für seine untergestellten Sportwarte.

Der Hauptposten nimmt die Meldungen der ihm untergestellten Posten an der Strecke oder die Anweisungen aus der Rennleitung entgegen und gibt diese in die entsprechenden Richtungen weiter.

Man kann also sagen, dass die Organisation der Streckensicherung hierachieähnlich organisiert ist, in der Ausbildung der Sportwarte spricht man auch von der „Pyramide der Verantwortlichkeit“, ein System, dass sich bisher ausgezeichnet bewährt hat.

Der Hauptposten steht also mit den Posten in seinem Abschnitt in Verbindung, genauer mit dem auf den Posten bestimmten Postenleiter.

Gerade bei Posten die mit mehreren Personen besetzt sind, die alle unterschiedliche Funktionen übernehmen, koordiniert dieser Leiter die Sportwarte auf dem Posten und ist mit ihnen direkt am Geschehen.

Mit den Sportwarten wären wir auch unten in der „Pyramide“ angekommen. Sie führen letztendlich die Anweisungen der Rennleitung aus, oder melden wichtige Details von der Strecke.


Herausforderung Nordschleife

Bei der Organisation und Sicherung der Gesamtstrecke des Nürburgringes, mit ihren über 25km und der tückischen Nordschleife werden natürlich höchste Anforderungen, an die Streckensicherung gestellt.

Die Gegensätze, mit der Nordschleife und Grand Prix Kurs sich einerseits gegenüberstehen und andererseits doch auf wundersame Weise ergänzen, macht sich auch bei der Sicherung bemerkbar: Hightech Kameras werden draussen in der Grünen Hölle durch das alleinige Auge des Sportwartes ersetzt, modernste Kommunikationseinrichtungen vom Feldtelephon verdrängt, Lichtzeichenanlagen sind weitestgehend ein Fremdwort, ein wichtiges Kommunikationsmittel der Sportwarte stellt die Trillerpfeife dar.

Dass die Nordschleife dem zu Folge allerdings den Sportwarten bezüglich der Sicherung eine wesentlich höhere Entscheidungsverantwortung und ein größeres Beurteilungsvermögen abverlangt ist damit auch einleuchtend.

Und trotzdem ist es dank perfekter Organisation kein Ding der Unmöglichkeit über 200 Rennfahrzeuge 24 Stunden lang im Renntempo auf der schwierigsten Strecke der Welt zu dirigieren, zu dem höchste Sicherheit für nahe zu 200.000 Zuschauer zu gewährleisten und weiterhin 1200 Sportwarte, über 30 Sicherheitsfahrzeuge, vom Rettungswagen, über Feuerwehr, Staffelwagen, E-Unit, bis hin zum Intervention Car, 80 bis 100 Sanitäter und ein Team von 40 Ärzten zu koordinieren und das alles auf höchstem Niveau.

Wohl weit mehr, als ein Kompliment haben hierfür die Verantwortlichen verdient.


Für den Zuschauer wird die Qualität der Organisation immer zuerst am Sportwart sichtbar, denn dieser steht immer zwischen ihnen und der Rennveranstaltung und um dessen Aufgaben befasst sich der nächste Teil unserer Serie.

| 15.02.2004, 19:42